Es war die Konferenz South-by-Southwest (SXSW) 2017, die bei mir etwas auslöste. Eines der großen Themen in Austin waren damals sogenannte Chatbots – mithilfe künstlicher Intelligenz agierende Dialogsysteme, die den Nutzer kontextfolgend mit Antworten versorgen konnten. Zwar waren damals die heute allgegenwärtigen LLMs wie Chat-GPT, Claude oder Gemini noch recht weit entfernt, doch machten Machine Learning und Neuronale Netzwerke damals bemerkenswerte Fortschritte. Für mich war klar: Der KI-Winter (AI Winter) ist definitiv vorüber!
Doch wie konnte man das in einen spürbaren Nutzen für die VerwenderInnen von NIVEA verwandeln? Einfach den Kundenservice zu automatisieren erschien mir schon damals nur bedingt sinnvoll, da die Marke NIVEA einfach zu sehr für Menschlichkeit und Authentizität steht. Dann jedoch fiel mir etwas aus dem sehr privaten Umfeld ein, wo diese Technologie wirklich nutzbringend sein konnte: Zwei Jahre zuvor war meine jüngste Tochter zur Welt gekommen. Und wie bei jeder Geburt hatte meine damalige Frau unter der in Deutschland leider weit verbreiteten Unterversorgung mit Hebammen zu kämpfen. Und nicht nur dass es zu wenige gibt, sie sind zudem auch noch schwer erreichbar – oftmals treten die Probleme und drängenden Fragen ja leider nicht während offizieller Sprechzeiten auf. Fragte man jedoch Doktor Google, war dieser zwar jederzeit erreichbar, tippte jedoch in seinen Diagnosen zuverlässig auf Krebs, Borkenkäfer oder die Zylinderkopfdichtung.
Und so entstand die Idee, einen Chatbot als digitale Hebamme aufzubauen. Fokussiert auf alle Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, rund um die Uhr erreichbar und in höchsten Maße qualifiziert. Letzteres gelang mir über ein Kooperation mit dem Deutschen Hebammenverband: Während die KI in der Lage war, aus beinahe jeder noch so queren Formulierung einer der 1.800 häufigsten Fragen zu destillieren, waren sämtliche Antworten von zertifizierten Hebammen verfasst, überprüft und freigegeben worden.
Zwar gewann ich mit Marlies einen weiteren Digital Communication Award, jedoch wurde das Projekt selbst leider dennoch etwa 18 Monate später eingestellt, da es sich nicht wirklich schnell genug kommerziell monetarisieren ließ.















